Sicherheit & ZubehörFallschutzmatten

Fallschutzmatten

Dämpfende Matten für den unteren Treppenabsatz.

Fallschutzmatten für Treppenpodeste sind spezialisierte Bodenbelagssysteme, die Aufprallenergie absorbieren und so das Verletzungsrisiko bei Stürzen minimieren. Im professionellen Innenausbau sind sie ein zentrales Element der präventiven Sturzfolgenminderung, besonders in Pflegeeinrichtungen, Kitas und öffentlichen Gebäuden.

Dieser Ratgeber erklärt technische Grundlagen (HIC-Wert), relevante Normen (DIN 18040-1) und vergleicht Systeme für die professionelle Planung.

Fallschutzmatten

01Technische Grundlagen & Wirkprinzip

Das fundamentale Wirkprinzip ist die Dämpfung (Shock Absorption). Bei einem Aufprall wird kinetische Energie nicht abrupt an den Körper übertragen, sondern über eine reversible Verformung des Materials in Wärme umgewandelt und zeitlich gestreckt.

  • Balance-AktEntscheidend ist das Gleichgewicht zwischen Dämpfung und Stabilität. Ein zu weicher Boden beeinträchtigt die Gangsicherheit (Stolpergefahr). Moderne Systeme bieten daher "Dual Stiffness": Steif beim Gehen, weich beim Aufprall.
  • Kritische KenngrößenBewertet werden u.a. Kopfverletzungskriterien (HIC-Wert) und Kraftabbau (G-Max). Zudem sind Rutschhemmung (R9 nach DIN 51130) und Rollstuhleignung essenziell.
Mehrschicht-Aufbau

Dämpfungskern & Nutzschicht

02Normen & Sicherheitsanforderungen

Es gibt keine einzelne "Fallschutz-Norm" für Innenräume, sondern ein Geflecht aus Anforderungen:

DIN 18040-1Barrierefreies Bauen: Fordert stufenfreie Übergänge, Rutschhemmung und geringen Rollwiderstand.
ASR A1.5/1.6Arbeitsstätten: Schutz vor Stolper-, Rutsch- und Sturzgefahren (Fürsorgepflicht Arbeitgeber).
BrandschutzBaustoffklasse Bfl-s1 (schwerentflammbar) nach DIN EN 13501-1 ist in Fluchtwegen Pflicht.
HygienePorenfreie, desinfektionsmittelbeständige Oberflächen für Pflegebereiche.

03Systeme und Materialien im Vergleich

Nicht jede Matte ist ein zertifizierter Fallschutz. Hier die gängigen Profi-Lösungen:

SystemAufbauEinsatzbereichEignung
Zweischicht-SystemeVinyl-Deckschicht auf Schaum/Gummi.Nachrüstung, Pflegeheime.Gut bei mittlerem Budget. Prüfen auf Rollstuhleignung.
Sportboden-SystemeElastisches PVC mit Dämpfung (EN 14904).Turnhallen, Reha-Bereiche.Sehr gute Dämpfung, standardisiert.
Spezial-Systeme (Injury Prevention)High-Tech Mehrschicht (Dual Stiffness).Neubau Pflege/Demenz.Beste Sicherheit, minimiert Sturzgefahr durch Stabilität.
Textile Böden (Teppich)Teppich mit dicker Vlies-Unterlage.Wohnbereiche.Weich, aber schlechter zu reinigen.
Warnung: Einfache Gummimatten aus dem Baumarkt sind oft nicht zertifiziert, können ausdünsten und Stolperkanten bilden!

04Vorteile, Nachteile & Empfehlungen

Vorteile

  • Verletzungsschutz: Senkt Schwere von Hüftfrakturen und Prellungen nachweislich.
  • Haftung: Erfüllt Fürsorgepflichten (Arbeitsschutz/Heimbetreiber).
  • Akustik: Dämpft Trittschall erheblich.

Nachteile

  • Kosten: Spezialsysteme (250-450 €/m²) sind deutlich teurer als Standard.
  • Mobilität: Zu weiche Böden erschweren das Rollstuhlfahren (Rollwiderstand).
  • Einbau: Hohe Anforderungen an Untergrund (Ebenheit).

Einsatzempfehlung

Ideal für: Pflegeheime, Geriatrie, Kitas, Treppenpodeste in Wohnbereichen mit Sturzrisiko.
Weniger geeignet für: Hochfrequentierte öffentliche Bereiche (Bahnhöfe) oder OP-Säle (spezielle Hygiene/Statik nötig).

05Planung, Montage & Fehlerquellen

Planungsschritte

  1. Frühe Integration: Aufbauhöhe (oft dicker als Standard) im Estrichplan berücksichtigen.
  2. Statik: Flächengewicht prüfen.
  3. Untergrund: Muss extrem eben (≤ 2mm auf 2m) und trocken sein.
  4. Übergänge: Stolperfreie Profile zu Treppenstufen und Nachbarräumen planen.

Häufige Fehler

  • Falsche Materialwahl (zu weich = Stolpergefahr).
  • Mangelhafte Untergrundvorbereitung (Dellen zeichnen sich ab).
  • Vergessene Randbereiche (Sturz auf harte Kanten).

06Kosten & Pflege

Pflege & Wartung

  • Reinigung: pH-neutrale Reiniger. Keine Scheuermittel (zerstören Oberfläche).
  • Wartung: Regelmäßige Sichtkontrolle auf Risse/Ablösungen.
  • Lebensdauer: Hochwertige Systeme halten 15-25 Jahre.

Kostenrahmen

  • Einfache Nachrüstung: ab 80 €/m²
  • Geprüfte Spezialsysteme: 250 – 450 €/m²

Preistreiber: Nivellierung des Untergrunds, Zertifikate, fachgerechter Einbau.

07FAQ: Wichtige Fakten

Verhindern Matten Stürze?

Nein. Sie mildern nur die Folgen (Injury Prevention). Zu weiche Böden können Stürze sogar begünstigen.

Unterschied zu Sportboden?

Fallschutzböden für Pflege sind zusätzlich auf statische Lasten (Betten, Rollstühle) und Hygiene optimiert.

Muss alles ausgelegt werden?

Nicht zwingend, aber empfehlenswert (durchgängige Sicherheit). Risikoanalyse durchführen (z.B. Podeste).

Wer plant das?

Fachingenieure, spezialisierte Bodenleger und Hersteller.

Gibt es Förderungen?

Berufsgenossenschaften fördern teils Präventionsmaßnahmen in Betrieben/Pflege.

Was ist "Dual Stiffness"?

Material ist hart beim Gehen (stabil), wird aber weich bei schnellem Aufprall (Sturz).

Fazit

Schadensbegrenzung durch Technik

Fallschutzmatten für Treppenpodeste sind eine wirksame technische Maßnahme zur Reduktion von Sturzfolgen. Die Auswahl des richtigen Systems erfordert eine Abwägung zwischen Dämpfungsleistung, Alltagstauglichkeit (Rollstuhl) und Kosten. Eine frühzeitige, fachkundige Planung und Installation ist für den langfristigen Erfolg und die Sicherheit unerlässlich.

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