Sicherheit

Rutschhemmung: R-Klassen erklärt

Was bedeuten R9, R10, R11? Welcher Bodenbelag eignet sich für Innen, Außen und Nassbereiche?

Haftung statt Glatteis: Das "Ausrutschen" ist die Unfallursache Nummer 1 auf Treppen. Ein Belag, der im trockenen Möbelhaus sicher wirkt, kann sich im feuchten Eingangsbereich in eine Rutschbahn verwandeln. Die Wahl des Materials ist daher keine reine Geschmacksfrage, sondern unterliegt physikalischen Anforderungen.

Interaktiver Rechner: R-Klasse & Material

Empfohlene Klasse
R9

1Das Maß der Sicherheit: Die R-Klassen

Wie rutschig ein Boden ist, wird nach DIN 51130 ("Schiefe Ebene") gemessen. Der Winkel, bei dem eine Testperson mit geölten Schuhen unsicher wird, bestimmt die Rutschhemmklasse (R).

KlasseHaftungTypische Einsatzorte
R 9GeringInnenbereich trocken: Büros, Privathäuser, Praxen.
R 10NormalÖffentliche Bereiche: Schulen, WCs, Eingänge innen.
R 11ErhöhtAußenbereich & Nässe: Außentreppen, Labore.
R 12HochGewerbliche Küchen: Fett/Öl-Bereiche.
R 13Sehr hochIndustrie extrem: Schlachthöfe, Ölraffinerien.

Wichtig für Bauherren

Privat: Keine R-Pflicht im Eigenheim, aber R9 wird empfohlen. Vorsicht bei lackierten Holztreppen ("Socken-Rutschbahn")!

Gewerbe: Die DGUV-Regeln sind bindend. Eine Unterschreitung führt zur Haftung bei Unfällen.

2Wohin mit dem Schmutz? Der Verdrängungsraum (V-Klasse)

Wo breiige Stoffe (Teig, Öl, Matsch) auf den Boden fallen, reicht Rauheit allein nicht (Aquaplaning-Effekt). Der Boden braucht "Taschen", in die der Schmutz verdrängt wird.

KennzeichnungV4, V6, V8, V10 (cm³ pro dm² Hohlraum).
BeispielGitterroste haben "unendlichen" Verdrängungsraum, da Schmutz durchfällt.

3Material-Guide: Was eignet sich wo?

A. Holz (Innenraum-Klassiker)

Problem: Lackiertes Holz ist extrem glatt.

  • Lösung: Treppenlacke mit Antirutsch-Zusatz (Glaskugeln) oder geölte Oberflächen.
  • Nachrüstung: Einfräsen von Rillen oder transparente Antirutsch-Streifen.

B. Naturstein & Fliesen

Todesfalle Politur: Polierter Stein ist bei Nässe wie Schmierseife.

  • Innen: Geschliffen (C120/C220) oder gebürstet.
  • Außen: Zwingend rau! Geflammt, gestockt oder sandgestrahlt (R11).
  • Feinsteinzeug: Auf R-Klasse auf dem Karton achten!

C. Glas (Modern)

Vorschrift: 3 Scheiben VSG. Oberste Scheibe ist "Opferscheibe".

  • Rutschhemmung: Siebdruck (keramische Punkte) oder Laserstrukturierung nötig für R10-R12.
  • Ohne Behandlung im öffentlichen Bereich unzulässig.

D. Stahl (Industrie/Außen)

  • Glattblech: Verboten.
  • Tränenblech: Klassiker (R10/R11).
  • Gitterroste: Goldstandard für außen. Wasser/Schmutz fällt durch (keine Eisbildung). Meist R11/R12.

4Außentreppen: Der Sonderfall Witterung

Kampf gegen Regen, Schnee & Eis

  • Anforderung: ASR A1.5 fordert für Außenbereiche R11 oder R10 V4.
  • Wasserableitung: Stufen brauchen 1–2 % Gefälle nach vorne ("Pfützenbildung vermeiden").
  • Überdachung: Erlaubt oft eine R-Klasse niedriger.
Rutschhemmung (R-Klassen) | Normen & Gesetze | treppensicherheit.de