Wangentreppe

Traditionelle Handwerkskunst. Stufen sind in seitliche Wangen eingelassen.

Eine Wangentreppe ist eine klassische Treppenbauform, bei der die Stufen in oder auf seitliche, durchgehende Träger – die Wangen oder Holme – montiert sind. Diese Konstruktion ist robust, langlebig und bietet vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Sie ist sowohl im modernen Wohnungsbau als auch in der Denkmalpflege verbreitet.

Dieser Leitfaden erklärt die technischen Grundlagen, Vorschriften, Kosten und Planung einer Wangentreppe.

Wangentreppen

01Technische Grundlagen: Aufbau und Funktionsweise

Die Wangentreppe wird durch ihre seitlichen Tragwangen definiert. Es gibt zwei grundlegende Bauweisen:

  • Eingängige WangentreppeDie Tritt- und Setzstufen werden in präzise Nuten der Wangen eingelassen und verleimt. Dies ist die klassische, handwerklich anspruchsvolle Bauart für maximale Steifigkeit.
  • Aufgelegte WangentreppeDie Stufen werden auf an den Wangen befestigte Auflagerleisten montiert und verschraubt. Diese Bauart ist oft einfacher zu realisieren und zu warten.

Materialien & Formen: Massivholz (z.B. Eiche, Buche), Stahl, Stahlbeton oder Glas. Die Wangen können gerade Balken sein oder geschwungenen Konturen folgen.

Schnittansicht

02Normen und Vorschriften (DIN 18065)

Für die Planung einer Wangentreppe in Deutschland sind folgende Vorschriften bindend:

VorschriftWert / AnforderungDetail
Laufbreitemin. 80 cmFür Wohngebäude. 100 cm werden für Komfort empfohlen.
Steigungsverhältnis2s + a ≈ 63 cmSchrittmaßformel. Komfortabel: 17-18 cm Höhe / 29-30 cm Tiefe.
Durchgangshöhemin. 200 cmGemessen lotrecht über der Stufenkante.
Geländer & Handlauf85 - 115 cm HöheHandlauf muss durchgehend griffig sein.
Tragfähigkeit3 - 5 kN/m²Bei freitragenden Konstruktionen ist eine statische Berechnung erforderlich.

03Komponenten einer Wangentreppe im Überblick

Wange (Holm)

Funktion

Hauptträger; leitet alle Lasten ab.

Materialien

Massivholz, Stahl, Stahlbeton, Glas

Anforderung

Muss statisch ausreichend dimensioniert sein (Höhe/Dicke).

Trittstufe

Funktion

Bildet die begehbare Lauffläche.

Materialien

Holz, Stein, Stahl, Glas

Anforderung

Rutschhemmung (R-Wert) gemäß DIN 51097/51130 ist vorgeschrieben.

Setzstufe

Funktion

Schließt den Raum zwischen Trittstufen.

Materialien

Oft wie Trittstufe, kann entfallen

Anforderung

Erhöht die Steifigkeit und Brandsicherheit.

Stufenverbindung

Funktion

Verbindet Stufe und Wange.

Materialien

Leim, Schrauben, Stahlwinkel, Einlasstechnik

Anforderung

Entscheidend für Langlebigkeit und Knickfreiheit.

Handlauf & Geländer

Funktion

Dienen der Sicherung.

Materialien

Holz, Edelstahl, Glas

Anforderung

Muss fest mit der Konstruktion verbunden und durchgehend sein.

04Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Hohe Stabilität und Langlebigkeit durch durchgehende Tragwangen.
  • Klare, solide Ästhetik mit handwerklichem Charakter.
  • Gute Schalldämmung im Vergleich zu leichten Systemtreppen.
  • Vielfältige Materialkombinationen für traditionelle und moderne Designs.

Nachteile

  • Hoher Materialaufwand und aufwändige Fertigung, besonders bei eingängiger Bauart.
  • Schwerer Einbau des oft massiven Treppenlaufs.
  • Geringe Flexibilität, nachträgliche Änderungen sind kaum möglich.
  • Höhere Kosten im Vergleich zu einfacheren Treppentypen.

Einsatzempfehlung

Ideal für Massivbauten, denkmalgeschützte Objekte und Bereiche mit hoher Frequentierung. Für Leichtbauweise (Fertighäuser) oder sehr enge Grundrisse sind platzsparendere Lösungen oft besser geeignet.

05Planung, Montage & typische Fehler

Die Planung beginnt mit der exakten Aufmaßnahme und der Festlegung des Steigungsverhältnisses. Ein detaillierter Treppenplan ist essenziell.

Die statische Absicherung der Auflagerpunkte ist kritisch, besonders bei gewendelten Treppen. Montage erfolgt meist als vorgefertigter Lauf.

Häufige Fehler

  • Unterdimensionierung der Wangen (Durchbiegung).
  • Fehlerhafte Schrittmaßberechnung (unbequem).
  • Ungenügende Befestigung der Wangen an den Auflagern.
  • Verwendung von ungeeignetem/feuchtem Holz (Reißen).
  • Mangelhafte Stufenverbindung (Knarren).

06Kosten: Was kostet eine maßgefertigte Wangentreppe?

Kostenrahmen (Orientierung)

  • Holz-Wangentreppe (Standard Eiche): 8.000 – 20.000 €
  • Komplexe Sonderanfertigungen: 20.000 € +

Preisfaktoren

  • Material: Edelhölzer (Nussbaum), Edelstahl oder Naturstein sind teurer als Nadelholz.
  • Komplexität: Gewendelte oder geschwungene Treppen kosten mehr als gerade Läufe.
  • Maßanfertigung: Individuelle Maße und Sonderformen erhöhen den Aufwand.
  • Ausstattung: Hochwertige Oberflächen und Design-Geländer (z.B. Glas).

07Pflege, Wartung und Lebensdauer

Bei fachgerechter Ausführung und Pflege hält eine Wangentreppe Jahrzehnte bis Jahrhunderte.

Holztreppen

Regelmäßig staubwischen. Geölte Oberflächen alle 1-3 Jahre nachölen. Stufenverbindungen prüfen.

Stahltreppen

Auf Rostbildung kontrollieren, Korrosionsschutz auffrischen.

Allgemein

Die Befestigung von Geländer und Handlauf regelmäßig auf Festigkeit überprüfen.

08FAQ: Häufige Fragen zur Wangentreppe

Was ist der Unterschied zwischen einer Wangentreppe und einer Bolzentreppe?

Bei einer Wangentreppe tragen seitliche Träger (Wangen) die gesamte Last der Stufen. Bei einer Bolzentreppe sind die Stufen direkt in der Wand verankert (Wandbolzen) und untereinander verbunden, was eine offenere Optik erzeugt, aber höhere Anforderungen an die Wandstatik stellt.

Kann eine Wangentreppe ohne Setzstufen (offen) gebaut werden?

Ja, die offene Bauweise ohne Setzstufen ist sehr beliebt und lässt mehr Licht durch. Sie erfordert jedoch oft stärkere Trittstufen (ca. 50-60mm Dicke), um die fehlende Aussteifung durch die Setzstufe zu kompensieren.

Warum knarrt meine alte Wangentreppe und was kann ich tun?

Knarren entsteht meist durch das Schwinden des Holzes (Trocknung), wodurch sich Verbindungen lockern und Holz auf Holz reibt. Abhilfe schaffen das Nachziehen von Schrauben, das Einbringen von Gleitmitteln (Silikonspray) in Fugen oder das professionelle Verleimen mit Expansionsleim.

Was bedeutet 'eingestemmte' Wangentreppe?

Bei dieser klassischen Bauart sind die Stufen in ausgefräste Nuten der Wangen eingelassen und dort verleimt oder verkeilt. Die Wange umschließt die Stufen seitlich, was für maximale Stabilität und eine traditionelle Optik sorgt.

Welche Mindestdicke muss eine Holzwange haben?

Für eine durchschnittliche Wohnhaustreppe beträgt die Richtlinie für die Wangendicke ca. 45-50 mm bei Hartholz. Bei sehr breiten oder langen Treppen muss die Wange statisch stärker dimensioniert werden.

Eignet sich eine Wangentreppe für den Außenbereich?

Ja, wenn witterungsbeständiges Material verwendet wird. Für Holz-Wangentreppen eignen sich Tropenhölzer (Bangkirai) oder Lärche. Alternativ sind Wangentreppen aus feuerverzinktem Stahl für den Außenbereich ideal und langlebiger.

Wie pflege ich eine Wangentreppe aus Holz richtig?

Vermeiden Sie stehende Nässe. Wischen Sie nur nebelfeucht. Bei geölten Treppen sollte die Oberfläche alle 1-3 Jahre nachgeölt werden, um den Schutz gegen Schmutz und Feuchtigkeit zu erhalten.

Fazit

Zeitlose Qualität für Generationen

Die Wangentreppe ist eine zeitlose, robuste und vielseitige Konstruktion, die durch ihre seitlichen Tragwangen besticht. Sie erfordert eine präzise Planung unter Beachtung der DIN-Normen, qualitativ hochwertige Materialien und handwerkliches Können in der Ausführung. Die Investition in eine maßgefertigte Wangentreppe lohnt sich durch ihre außergewöhnliche Langlebigkeit, Stabilität und ihren bleibenden ästhetischen Wert im Gebäude. Für Bauherren und Sanierer ist sie eine ausgezeichnete Wahl, wenn Wert auf Handwerksqualität und dauerhafte Wertigkeit gelegt wird.

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