Podesttreppe

Komfort durch Ruhezonen. Barrierearm und sicher durch Zwischenpodeste.

Eine Podesttreppe ist eine Treppenkonstruktion, die durch ein oder mehrere Zwischenpodeste (Treppenabsätze) unterteilt wird. Sie unterbricht den kontinuierlichen Lauf einer Treppe und dient als Ruhepunkt, Wendefläche und Sicherheitselement. Diese Bauform ist der Standard im mehrgeschossigen Wohnungs- und Gewerbebau, da sie Komfort, Sicherheit und flexible Raumplanung vereint. Im Gegensatz zu durchgehenden Geradtreppen oder platzsparenden Wendeltreppen bietet sie entscheidende Vorteile für Barrierefreiheit und architektonische Gestaltung.

Dieser Leitfaden behandelt Normen (DIN 18065), Kosten und Planungshinweise für Podesttreppen.

Podesttreppen

01Technische Grundlagen: Aufbau und Funktion

Eine Podesttreppe besteht aus mindestens zwei geraden Lauflinien (Läufen), die durch eine horizontale Plattform – das Podest – verbunden sind. Dieses fungiert als Wendepunkt und Unterbrechung.

Die Anordnung der Läufe bestimmt die Bauform:

  • Podesttreppe mit 90°-Wendung (Viertelgewendelt): Die Läufe sind rechtwinklig zueinander angeordnet.
  • Podesttreppe mit 180°-Wendung (Halbgewendelt oder U-Treppe): Die Läufe sind parallel, aber gegenläufig.
  • Mehrläufige Podesttreppe: Mit mehr als zwei Läufen und mehreren Podesten, oft in repräsentativen Gebäuden.

Bauphysik und Statik: Das Podest verteilt die zu überwindende Geschosshöhe auf mehrere kurze Läufe. Dies reduziert die Steigung pro Lauf, erhöht die Trittsicherheit und verbessert den Bequemlichkeitsgrad. Statisch betrachtet kann das Podest als aufliegende Plattform oder als integraler, tragender Teil des Treppenkörpers ausgeführt sein.

Schematische Darstellung

Typische Einsatzbereiche

  • Wenn die Geschosshöhe eine reine Geradtreppe zu steil oder zu lang machen würde.
  • Wenn eine Richtungsänderung im Treppenverlauf erforderlich ist.
  • Wenn Barrierefreiheit gefordert ist (das Podest dient als Wendefläche für Rollstühle).
  • Wenn Wert auf repräsentative Erschließung und großzügige Raumwirkung gelegt wird.

02Normen, Vorschriften und Sicherheitsanforderungen

Die Planung unterliegt primär den Landesbauordnungen (LBO) und der DIN 18065 (Gebäudetreppen). Auch die DIN EN 1991-1-1 (Verkehrslasten) und DIN 4109 (Schallschutz) sind relevant.

Sicherheitsmaß (DIN 18065)Vorgabe / WertErläuterung
PodestmaßeLänge ≥ LaufbreiteIn Wohngebäuden üblich ≥ 80 cm. Für Barrierefreiheit ≥ 150x150 cm.
Steigungsverhältnis2s + a = 590-650 mmSicherheitsformel. Typisch: 17-18 cm Steigung, 29-30 cm Auftritt.
Laufbreitemin. 80 cmMindestbreite in Wohngebäuden.
Durchgangshöhemin. 200 cmFreier senkrechter Raum über Stufenkante und Podest.
Geländer/HandlaufPflicht ab 100 cm HöheDurchgehender, griffsicherer Handlauf erforderlich.

03Komponenten einer Podesttreppe

Lauf

Funktion

Folge von Stufen zwischen zwei Podesten. Trägt und überträgt die Lasten.

Materialien

Holz, Stahlbeton, Stahl, Naturstein

Anforderung

Statische Bemessung erforderlich. Normgerechte Steigung/Auftritt.

Podest (Absatz)

Funktion

Horizontale Plattform zum Richtungswechsel, Ausruhen und als Sicherheitsfläche.

Materialien

Homogen zum Lauf oder kombiniert

Anforderung

Mindestlänge = Laufbreite. Rutschhemmender Belag Pflicht.

Trittstufe

Funktion

Horizontale Lauffläche einer Stufe.

Materialien

Massivholz, Stahl, Beton, Glas

Anforderung

Auftrittsbreite muss über den gesamten Lauf konstant sein.

Wangenträger

Funktion

Seitliche, tragende Balken für die Stufen.

Materialien

Massivholz, Stahl, Stahlbeton

Anforderung

Leiten Lasten in die Auflager ab. Bei Podesttreppen oft unterbrochen.

Handlauf & Geländer

Funktion

Absturzsicherung und Führungshilfe.

Materialien

Holz, Edelstahl, Glas

Anforderung

Muss durchgehend sein. Stababstand max. 12 cm.

04Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Erhöhte Sicherheit und Komfort: Das Podest bietet eine Pause, reduziert die Sturzgefahr.
  • Optimale Raumplanung: Ermöglicht Wendungen und passt sich komplexen Grundrissen an.
  • Barrierefreiheit: Großzügige Podeste sind Voraussetzung für Treppenlifte oder Rollstuhlnutzung.

Nachteile

  • Größerer Platzbedarf: Benötigt mehr Grundfläche als eine Gerad- oder Wendeltreppe.
  • Höhere Kosten: Zusätzliche Konstruktion und Statik erhöhen Baukosten.
  • Aufwändigere Statik: Lastabtragung an Podestpunkten muss präzise berechnet werden.

05Planung, Montage & typische Fehler

1
1. Grundriss & Höhe

Exakte Ermittlung der Geschosshöhe und Festlegung des Treppenverlaufs.

2
2. Stufenberechnung

Berechnung der Steigungen. Podeste werden als Stufen mit 0 cm Steigung eingerechnet.

3
3. Statischer Nachweis

Tragfähigkeit des Podests und der Auflager muss nachgewiesen werden.

4
4. Brandschutz

In Rettungswegen müssen Treppe und Podest nichtbrennbar sein (F30-B/A).

Häufige Planungsfehler

  • Zu kleine Podeste (Unterschreitung DIN-Mindestmaße).
  • Ungleiche Stufenteilung in den Läufen.
  • Fehlende Durchgangshöhe über dem Podest.
  • Statische Unterdimensionierung bei Auskragungen.

06Kosten und Preisfaktoren

Kostenrahmen (Orientierung)

  • Einfache Holzkonstruktion: 5.000 – 10.000 €
  • Stahlbetontreppe (Ortbeton): 8.000 – 15.000 €
  • Massivholztreppe (Eiche): 10.000 – 20.000 €
  • Stahl-/Glas-Design: 15.000 – 30.000 €+

Preistreiber

  • Materialwahl: Edelhölzer oder Glas sind teurer.
  • Maßanfertigung: Individuelle Planung kostet mehr als Systeme.
  • Komplexität: Jedes zusätzliche Podest erhöht den Aufwand.
  • Montage: Schwierige Zugänge erhöhen die Kosten.

07FAQ: Wichtige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Podest und einem Absatz?

Bautechnisch sind die Begriffe weitgehend synonym. 'Podest' bezeichnet die Fläche, 'Absatz' beschreibt die Funktion (Unterbrechung). Ein Podest ist immer ein Absatz, aber ein Absatz kann auch nur eine verbreiterte Stufe sein. Die DIN 18065 fordert für Podeste eine Mindesttiefe, die der Laufbreite entspricht.

Wie viele Stufen darf eine Treppe maximal ohne Podest haben?

Gemäß DIN 18065 sind bei notwendigen Treppen maximal 18 Steigungen in einem Lauf zulässig. Danach muss ein Ruhepodest folgen, um bei einem Sturz das Fallen über die gesamte Höhe zu verhindern.

Kann ich eine Podesttreppe nachträglich in ein Haus einbauen?

Das ist oft schwierig, da Podesttreppen deutlich mehr Grundfläche benötigen als gewendelte Treppen. Zudem müssen die Podeste statisch in den Wänden verankert werden, was massive Eingriffe in die Bausubstanz erfordert.

Muss ein Podest immer rechteckig sein?

Nein, auch trapezoide Formen sind möglich, solange die Mindesttiefe (Laufbreite) und die nutzbare Fläche gewahrt bleiben. Dies wird oft bei 90°-Wendungen (Viertelpodest) genutzt.

Welche Mindestmaße gelten für Barrierefreiheit auf dem Podest?

Nach DIN 18040-2 (Barrierefreies Bauen) ist vor Aufzügen oder Wohnungstüren eine Bewegungsfläche von 150 x 150 cm erforderlich, damit ein Rollstuhl wenden kann.

Darf unter einem Podest ein Raum liegen (z.B. Abstellkammer)?

Ja, solange die Brandschutzanforderungen an die Treppenunterseite erfüllt sind (bei notwendigen Treppen oft F90/F30) und die lichte Höhe darunter nutzbar ist.

Darf eine Tür auf das Zwischenpodest aufschlagen?

Nein, Türen dürfen die nutzbare Laufbreite und Tiefe des Podests nicht einschränken. Die Türschlagfläche muss zusätzlich zur Podesttiefe vorhanden sein.

Fazit

Standard für Sicherheit und Komfort

Die Podesttreppe ist die vielseitigste und sicherste Standardlösung im mehrgeschossigen Bauen. Durch die Unterbrechung des Laufs mit Podesten bietet sie unübertroffenen Komfort, erleichtert den Lastentransport und ist Grundvoraussetzung für barrierefreie Zugänglichkeit. Trotz ihres höheren Platzbedarfs und der komplexeren Statik überwiegen die Vorteile in den allermeisten Bauvorhaben.

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