Treppen & KonstruktionViertelgewendelte Treppen

Viertelgewendelte Treppen

Platzsparende 90°-Wendung. Perfekt für Hausecken und effiziente Grundrisse.

Eine viertelgewendelte Treppe ist eine präzise konstruierte Sonderform der Wendeltreppe, bei der der Lauf über genau 90 Grad geführt wird. Sie stellt eine raumsparende und architektonisch anspruchsvolle Lösung dar, um zwei Geschosse miteinander zu verbinden, wenn der Platz für eine geradläufige Treppe nicht ausreicht. Im Gegensatz zu einer vollständigen Wendeltreppe (360°-Drehung) oder einer halbgewendelten Treppe (180°-Drehung) vollzieht sie lediglich eine Vierteldrehung. Diese Bauart ist besonders relevant im modernen Wohnungsbau, bei Dachgeschossausbauten und in gewerblichen Objekten, wo effiziente Grundrissnutzung gefordert ist.

Dieser Leitfaden beleuchtet die spezifischen Normen der DIN 18065 für gewendelte Treppen, Konstruktionsdetails sowie Vor- und Nachteile.

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01Technische Grundlagen & Definition

Die Richtungsänderung um 90 Grad geschieht typischerweise über gewendelte Stufen (auch Windelstufen genannt) im Antritts- oder Austrittsbereich.

Die Konstruktion kann auf zwei Hauptarten realisiert werden:

  • Echte WendelungDie Stufen sind keilförmig geschnitten und drehen sich kontinuierlich um eine innere Spindel oder einen Wangenstrang.
  • PodestlösungDie Richtungsänderung wird über ein Viertelgewendeltes Podest (90°-Podest) erreicht, an das gerade Läufe anschließen. Dies ist die verbreitetere und in der Begehung oft komfortablere Variante.

Die Lauflinie – der gedachte Weg, den ein Nutzer in der Mitte der Stufe nimmt – beschreibt einen Viertelkreis. Die bautechnische Herausforderung liegt in der korrekten Berechnung der Stufenmaße, insbesondere der Auftrittsbreiten entlang der Lauflinie, um ein sicheres und bequemes Begehen zu gewährleisten.

Technische ZeichnungIsometrie Grundriss

02Normen, Vorschriften & Sicherheit (DIN 18065)

Für die Planung und den Bau viertelgewendelter Treppen ist die DIN 18065 "Gebäudetreppen – Begriffe, Messregeln, Hauptmaße" die maßgebliche Norm. Sie definiert die sicherheitstechnischen und ergonomischen Mindestanforderungen.

RegelVorgabe / WertZweck / Erläuterung
Mindestauftrittsbreite (innen)min. 10 cmDies ist ein kritischer Wert für die Trittsicherheit an der schmalsten Stelle (Treppenauge).
Lauflinienauftrittmin. 26 cmGemessen entlang der Lauflinie (ca. 30 cm vom Innenhandlauf). Garantiert Komfort.
Mindestlaufbreitemin. 80 cmIn Wohngebäuden vorgeschrieben für ausreichenden Bewegungsraum.
Durchgangshöhemin. 2,00 mLichte Höhe über der Stufenkante über die gesamte Treppe hinweg.

03Aufbau, Komponenten & Materialien

Die Konstruktion setzt sich aus tragenden Elementen, den Tritt- und Setzstufen sowie dem notwendigen Sicherheitszubehör zusammen.

Tragwerk / Spindel

Funktion

Zentrale tragende Säule, um die sich die Stufen winden.

Materialien

Stahl, Stahlbeton, massives Holz

Besonderheit

Muss ausreichend dimensioniert sein, um Torsionskräfte aufzunehmen.

Wangenträger

Funktion

Seitliche Träger, die die Stufen tragen.

Materialien

Holz, Stahl, Glas

Besonderheit

Bei gewendelten Wangen ist die präzise Biegung eine handwerkliche Herausforderung.

Trittstufe

Funktion

Bietet die Lauffläche.

Materialien

Holz, Stein, Beton, Stahl

Besonderheit

Windelstufen sind keilförmig. Rutschhemmung ist besonders innen wichtig.

Setzstufe

Funktion

Schließt den Raum zwischen zwei Trittstufen vertikal.

Materialien

Holz, Glas, Metall

Besonderheit

Oft weggelassen („offene Bauweise“), um die Treppe optisch leichter wirken zu lassen.

Geländer / Handlauf

Funktion

Dient der Absturzsicherung und als Führungshilfe.

Materialien

Holz, Edelstahl, Glas

Besonderheit

Der Handlauf muss durchgehend und griffsicher sein. Der Innenhandlauf folgt der engen Kurve.

04Vorteile, Nachteile und Einsatzempfehlungen

Vorteile

Extrem platzsparend:
Ermöglicht den Treppeneinbau auch in beengten Grundriss-Situationen (z.B. in Eckbereichen).
Architektonisches Gestaltungselement:
Schafft eine elegante, dynamische Raumwirkung und kann als Blickfang dienen.
Flexible Anschlussmöglichkeiten:
Kann an zwei rechtwinklig zueinander stehende Geradläufe anschließen.

Nachteile

Erschwerte Begehbarkeit:
Die ungleich breiten Stufen erfordern erhöhte Aufmerksamkeit und sind für Personen mit Mobilitätseinschränkungen weniger geeignet.
Komplexe Planung und Fertigung:
Die Berechnung und Anfertigung der keilförmigen Stufen ist aufwändiger und kostenintensiver.
Eingeschränkte Möblierbarkeit:
Das Treppenloch ist oft relativ klein, was den Transport großer Möbel erschweren kann.

Einsatzempfehlung

  • Geeignet für: Dachgeschoss- und Kellertreppen, Einliegerwohnungen, Lofts, gewerbliche Nebentreppen.
  • Weniger geeignet für: Häuser mit Kleinkindern oder älteren Bewohnern als Haupttreppe, wenn ein barrierefreier Zugang erforderlich ist.

05Planung, Montage & typische Fehler

Wichtige Planungsaspekte:

1
1. Tragwerksplanung

Die statische Berechnung muss die besonderen Kräfte (Torsion) berücksichtigen.

2
2. Präzise Aufmaß

Jede Abweichung im Baukörper (Wände nicht im rechten Winkel) muss erfasst werden.

3
3. Montageablauf

Erfordert hohe Präzision, ob als vorgefertigtes Modul oder im Elementaufbau.

Typische Fehlerquellen

  • Zu knapp dimensionierte innere Auftrittsbreite (<10 cm).
  • Nicht durchgehender Handlauf.
  • Unzureichende lichte Durchgangshöhe am inneren Kurvenradius.

06Kosten und Preisfaktoren: Was muss man rechnen?

Die Preisspanne für eine viertelgewendelte Treppe ist sehr groß.

FaktorEinflussErklärung
MaterialHochEdelhölzer, Glas oder Edelstahl treiben den Preis deutlich.
Maßanfertigung vs. ModulSehr hochIndividuelle Planung ist teurer als ein vorgefertigtes Modul.
KonstruktionsartMittelEine Lösung mit Podest ist oft günstiger als eine vollständig gewendelte Konstruktion.

Kostenrahmen (Orientierung)

  • Einfache Ausführungen (Holz): ca. 3.000 – 5.000 €
  • Individuelle Maßanfertigungen: 10.000 – 20.000 € +

07FAQ: Die wichtigsten Fragen zur viertelgewendelten Treppe

Was ist der Unterschied zwischen einer viertel- und einer halbgewendelten Treppe?

Eine viertelgewendelte Treppe dreht sich im Verlauf um 90 Grad (L-Form). Eine halbgewendelte Treppe vollführt eine Drehung um 180 Grad (U-Form), oft mit einem Zwischenpodest, und benötigt entsprechend mehr Grundfläche.

Ist eine viertelgewendelte Treppe genehmigungspflichtig?

Ja, als notwendige Treppe (Rettungsweg) muss sie im Bauantrag enthalten sein und der DIN 18065 entsprechen. Da sie ein tragendes Bauteil ist, ist in der Regel ein statischer Nachweis erforderlich.

Kann ich eine viertelgewendelte Treppe als Fertigbausatz kaufen?

Ja, es gibt modulare Systemtreppen, die eine 90-Grad-Wendung ermöglichen. Allerdings erfordern gewendelte Treppen ein sehr präzises Aufmaß der Raumgeometrie, weshalb Maßanfertigungen oft die bessere Wahl sind.

Welches Material eignet sich am besten für eine 90-Grad-Treppe?

Das hängt vom Stil ab. Holz (Wangentreppe) wirkt warm und klassisch. Eine Stahlholmtreppe mit Holzstufen wirkt moderner und offener. Beton ist ideal für den Rohbau, muss aber verkleidet werden.

Wie berechnet man die Stufen einer gewendelten Treppe?

Die Berechnung erfolgt entlang der theoretischen Lauflinie (Gehlinie). Dieser Bogen wird in gleichmäßige Auftritte geteilt. Wichtig: An der schmalsten Stelle (Innenseite) muss die Stufe laut DIN 18065 mindestens 10 cm tief sein.

Eignet sich eine viertelgewendelte Treppe für barrierefreies Bauen?

Nur bedingt. Die ungleichen Stufenbreiten in der Kurve und die Richtungsänderung sind für Menschen mit Gehbehinderung schwieriger als gerade Läufe. Ein Treppenlift ist bei 90-Grad-Kurven technisch aufwendiger (Kurvenlift nötig).

Welche Maße muss das Treppenauge haben?

Das Treppenauge (der Luftraum in der Mitte) ergibt sich aus der Breite der Läufe und dem Wendungsradius. Es muss groß genug sein, um den Handlauf durchgehend montieren zu können (mind. 10-20 cm Licht).

Fazit

Die platzsparende Wendung für anspruchsvolle Grundrisse

Die viertelgewendelte Treppe ist eine intelligente architektonische Lösung, um auf engstem Raum eine sichere Verbindung zwischen zwei Geschossen zu schaffen. Während sie durch ihre elegante Form und extreme Platzersparnis überzeugt, erfordert sie eine präzise Planung unter Einhaltung der DIN 18065 und ist aufgrund der ungleichen Stufen nicht für jeden Nutzungskontext geeignet. Für Dachgeschosse, Nebentreppen oder moderne Lofts stellt sie jedoch oft die einzig sinnvolle und zugleich gestalterisch wertvolle Option dar. Die Investition in Qualität und Fachplanung lohnt sich hier in besonderem Maße, um Sicherheit, Langlebigkeit und ästhetischen Wert zu gewährleisten.

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