Pflanzentreppe

Dekorative Etageren für Blumen und Kräuter. Verschönert Balkon und Terrasse.

Eine Pflanzentreppe ist eine spezielle Treppenkonstruktion, die als Trägersystem für eine vertikale oder gestufte Bepflanzung dient. Sie stellt eine Sonderform der begrünten Treppe dar und verbindet die funktionalen Anforderungen des Treppenbaus mit den ökologischen und gestalterischen Zielen der Fassaden- oder Innenraumbegrünung. Im Bauwesen gewinnen solche hybriden Systeme an Bedeutung, da sie zur Verbesserung des Mikroklimas, zur Gebäudedämmung und zur ästhetischen Aufwertung beitragen.

Dieser Leitfaden behandelt die fachlichen Grundlagen, Normen (DIN 18065, Brandschutz), Planung und Pflege von Pflanzentreppen.

Pflanzentreppen

01Technische Grundlagen & Definition

Eine Pflanzentreppe ist primär eine Tragkonstruktion für Vegetation. Ihre wesentlichen Merkmale unterscheiden sie von konventionellen Treppen.

  • DefinitionEine bauliche Anlage, bei der die Treppenstruktur (Podeste, Stufen, Geländer) so gestaltet ist, dass sie Pflanzbehälter, Substrattröge oder direkt bewurzelbare Bereiche integriert und statisch aufnimmt.
  • BauphysikDie Konstruktion muss zusätzlich zu den üblichen Lasten das hohe Gewicht von wassergesättigtem Substrat (ca. 1,8 kN/m³) und Pflanzen aufnehmen. Materialwahl muss dauerhaft feuchtebeständig sein.
Grüne Architektur

Hybrid aus Funktion & Ökologie

02Normen, Vorschriften & Sicherheit

Die Planung unterliegt einem komplexen Mix aus Treppennormen und anlagentechnischen Richtlinien.

BereichAnforderungDetails
DIN 18065Laufruhe & MaßeSchrittmaßregel muss trotz Pflanzbehältern eingehalten werden. Mindestbreite darf nicht durch Bewuchs eingeschränkt werden.
BrandschutzBrandlastTrockene Pflanzen sind Brandrisiko. Beachtung der LBO und MLAR. Substratzusammensetzung ist entscheidend.
StatikDIN EN 1991Zusatzlasten durch nasses Substrat und Pflanzen müssen in der statischen Berechnung berücksichtigt werden.
GeländerSicherheitHöhe (min. 90 cm) und Durchsturzsicherheit müssen unabhängig vom Pflanzenbewuchs gegeben sein.

03Aufbau, Komponenten & Materialien

Tragkonstruktion

Funktion

Aufnahme aller Lasten.

Materialien

Stahl (feuerverzinkt), Stahlbeton, Bangkirai

Anforderung

Hohe Dauerhaftigkeit bei Feuchtigkeit und Wurzelfestigkeit erforderlich.

Pflanzbehälter

Funktion

Aufnahme von Substrat/Wurzeln.

Materialien

Edelstahl, Kunststoff, Beton

Anforderung

Drainageöffnungen und Frostbeständigkeit sind essenziell.

Substrat

Funktion

Wasserspeicher & Verankerung.

Materialien

Spezialsubstrate (mineralisch, Blähton)

Anforderung

Gutes Wasserhaltevermögen bei gleichzeitiger Dränfähigkeit, geringes Sacken.

Bewässerung

Funktion

Wasserversorgung.

Materialien

Tropfschläuche, Sensoren

Anforderung

Automatisierung spart Pflegeaufwand und sichert Überleben der Pflanzen.

Vegetation

Funktion

Ökologie & Ästhetik.

Materialien

Stauden, Gräser, Sukkulenten

Anforderung

Auswahl nach Standort (Sonne/Schatten) und Wuchshöhe (Verkehrssicherheit!).

04Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Ökologische Aufwertung: Lebensraum, Luftqualität, Regenwassermanagement.
  • Mikroklima: Verdunstungskühle im Sommer, Dämmung im Winter.
  • Ästhetik: Einzigartiges architektonisches Element.
  • Raumoptimierung: Nutzung der Vertikalen bei wenig Platz.

Nachteile

  • Hoher Aufwand: Interdisziplinäre Planung (Statik + Landschaftsarchitektur).
  • Kosten: Deutlich teurer als Standardtreppen.
  • Pflege: Regelmäßige Bewässerung und Rückschnitt nötig.
  • Risiken: Wurzeleinwuchs, Wasserschäden, Brandlast.

Einsatzempfehlung

Geeignet für: Objektbauten, private Bauherren mit hohem Anspruch und Pflegebereitschaft, nachhaltige Projekte.
Weniger geeignet für: Funktionale Treppen mit hohem Verkehr, Projekte mit engem Budget.

05Planung, Tragwerk & Montage

Ablauf

  1. Lastannahmen: Eigenlast + Nutzlast + nasses Substrat (ca. 15-20 kN/m³).
  2. Detailplanung: Positionierung von Trögen, Leitungen und Abläufen in der Treppengeometrie.
  3. Montage: Tragkonstruktion -> Pflanzbehälter -> Bewässerung -> Substrat -> Pflanzen.

Typische Fehler

  • Fehlende Dränage (Staunässe).
  • Zu geringes Substratvolumen.
  • Pflanzenwuchs verengt Lauffläche.
  • Mangelhafte Anschlussdetails (Undichtigkeiten).

06Pflege, Wartung & Lebensdauer

Die Lebensdauer hängt von Materialqualität und Pflege ab. Tragkonstruktionen halten Jahrzehnte, Vegetation und Technik ca. 10-15 Jahre.

Regelmäßig

Kontrolle der Bewässerung (täglich/wöchentlich im Sommer). Düngung monatlich.

Saisonal

Rückschnitt der Pflanzen (Verkehrssicherheit!). Reinigung der Abläufe. Prüfung der Konstruktion.

Winter

Bewässerung vor Frost entleeren. Winterfeste Pflanzen benötigen wenig Wasser.

07Kosten & Preisfaktoren

Kostenrahmen

  • Preisspanne: 1.500 – 5.000 € / lfm
  • Inkl. Planung, Konstruktion, Technik und Bepflanzung.

Preistreiber

  • Material: Edelstahl/Sonderbeton > Stahl.
  • Ausführung: Individuelle Maßanfertigung.
  • Pflanzen: Seltene/große Gehölze.
  • Technik: Automatisierte Bewässerung, Sensoren.

08FAQ: Häufige Fragen zur Pflanzentreppe

Ist für eine Pflanzentreppe eine Baugenehmigung erforderlich?

Ja, meistens. Da eine Pflanzentreppe ein Bauwerk ist, müssen Statik (Zusatzlast durch nasse Erde!) und Brandschutz (Pflanzen als Brandlast) nachgewiesen werden. Klären Sie dies vorab mit dem Bauamt.

Welche Pflanzen eignen sich für eine begrünte Treppe?

Ideal sind trockenheitsverträgliche, winterharte und niedrig bleibende Stauden oder Gräser (z.B. Sedum, Lavendel, Hauswurz). Stark wuchernde Pflanzen können die Laufbreite einschränken und zur Stolperfalle werden.

Kann ich eine bestehende Treppe nachträglich bepflanzen?

Nur bedingt, z.B. durch Aufstellen von Kübeln. Eine echte Integration mit Pflanztrögen erfordert meist einen Neubau oder massive Eingriffe, da die Statik der alten Treppe für das hohe Zusatzgewicht von nasser Erde oft nicht ausgelegt ist.

Wie gieße ich eine Pflanzentreppe im Winter?

Im Winter ruhen die meisten Pflanzen und benötigen nur an frostfreien Tagen minimale Wassergaben. Wichtig: Eine automatische Bewässerungsanlage muss vor dem ersten Frost entleert werden, um Schäden zu vermeiden.

Ist eine Pflanzentreppe barrierefrei?

Das ist möglich, erfordert aber erhöhten Planungsaufwand. Die lichte Laufbreite (min. 100 cm) und die Rutschhemmung müssen trotz Bepflanzung dauerhaft gewährleistet sein. Pflanzen dürfen nicht in den Handlaufbereich wuchern.

Welches Substrat sollte ich verwenden?

Verwenden Sie spezielle Dachbegrünungssubstrate (mineralisch, Blähton). Diese speichern Wasser, sind strukturstabil (sacken nicht zusammen) und leichter als normale Muttererde.

Fazit

Nachhaltiges Architekturelement

Eine Pflanzentreppe ist ein komplexes, hybrides Bauwerk, das Ingenieurwissen und Ökologie vereint. Sie bietet ökologischen Mehrwert und ästhetische Highlights, erfordert aber sorgfältige Planung, hohe Investitionen und langfristige Pflegebereitschaft.

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