Geländer & Handläufe: Sicherer Halt
Vorschriften zu Höhen, Stababständen bei Kindern und dem Unterschied zwischen Geländer und Handlauf.
Ein Geländer (baurechtlich „Umwehrung“) hat primär eine statische Funktion: Es muss verhindern, dass Menschen seitlich von der Treppe oder dem Podest stürzen. Der Handlauf hingegen dient dem Festhalten beim Gehen. Oft sind beide Funktionen in einem Bauteil vereint, baurechtlich werden sie jedoch getrennt bewertet.
Interaktiver Rechner: Geländerhöhe & Abstände
1Wie hoch muss ein Geländer sein?
Die geforderte Mindesthöhe hängt davon ab, ob Sie privat bauen oder gewerblich (Arbeitsstätte), und wie tief der mögliche Absturz ist.
| Absturzhöhe | Privat / Wohngebäude (LBO) | Arbeitsstätten (ASR A1.8) | Schulen / Kitas |
|---|---|---|---|
| 0 bis 12 Meter | min. 90 cm | min. 100 cm | min. 100 – 110 cm |
| über 12 Meter | min. 110 cm | min. 110 cm | min. 110 cm |
Wichtig für die Planung
Messweise: Die Höhe wird lotrecht von der Vorderkante der Stufe (oder der Standfläche des Podestes) bis zur Oberkante des Geländers gemessen.
Der "Arbeitsstätten-Zentimeter": Architekten planen oft routinemäßig 90 cm (laut Bauordnung). Sobald aber ein Angestellter die Treppe nutzt (Büro im Wohnhaus, Putzhilfe), greift die ASR A1.8 und fordert 100 cm.
Empfehlung: Planen Sie im Zweifel immer 100 cm, um auf der sicheren Seite zu sein.
2Kindersicherheit: Köpfe, Klettern und Abstände
In Gebäuden, in denen mit der Anwesenheit von Kindern zu rechnen ist (Wohnhäuser, Kitas, Schulen, öffentlich zugängliche Bauten), gelten strenge geometrische Vorgaben.
A. Der "Leitereffekt" (Kletterschutz)
Kinder sind neugierig. Horizontale Stäbe (Relinggeländer) oder Ornamente wirken wie eine Leiter.
- Regel: In vielen LBOs sind horizontale Gliederungen bei Absturzhöhen > 1,0 m verboten.
- Lösung: Senkrechte Stäbe oder geschlossene Flächen (Glas, Lochblech).
B. Die 12-cm-Regel (Kopffangstellen)
Ein Kind, das den Kopf durchsteckt, kann mit dem Körper nachrutschen oder sich strangulieren.
- Maximaler Stababstand: Der lichte Abstand darf an keiner Stelle breiter als 12 cm sein.
- Grund: Dies entspricht etwa dem Durchmesser eines kleinen Kinderkopfes.
C. Der untere Durchrutschschutz
Auch zwischen der Stufe und dem Geländer darf keine Lücke klaffen. Der Spalt zwischen der Stufenvorderkante/Podestboden und der Unterkante des Geländers darf maximal 6 cm betragen. Dies verhindert das Durchrutschen von liegenden Kleinkindern oder das Herabrollen von Gegenständen.
D. Sonderfall Kita (U3-Betreuung)
- Stababstand: Oft reduzierter Abstand von max. 8,9 cm gefordert (DIN EN 1176), da U3-Köpfe kleiner sind.
- Zweiter Handlauf: Ein zusätzlicher Handlauf in 60–70 cm Höhe für Kinderhände.
3Statik: Was muss das Geländer aushalten?
Ein Geländer darf nicht nachgeben, wenn eine Menschenmenge dagegen drückt (Panikfall). Die DIN EN 1991-1-1 definiert die „Holmlast“ (horizontale Kraft).
- Wohngebäude (Privat):0,5 kN/m (~50 kg/m)
- Öffentliche Gebäude / Büros:1,0 kN/m (~100 kg/m)
- Versammlungsstätten / Stadien:bis 3,0 kN/m
4Der Handlauf (Griff) im Detail
Während das Geländer schützt, dient der Handlauf der Führung.
5Glasgeländer (Absturzsichernde Verglasung)
Glas ist modern, unterliegt aber der DIN 18008-4 (früher TRAV). Man unterscheidet drei Kategorien: