Scherentreppe

Exklusives Design mit faltwerkartiger Tragstruktur. Ein architektonisches Highlight.

Eine Scherentreppe ist eine architektonische Sonderkonstruktion, bei der sich tragende Träger scherenartig überkreuzen, um die Stufen zu tragen. Diese Bauweise erzeugt ein filigranes, designstarkes Erscheinungsbild und wird häufig für repräsentative Außenbereiche oder moderne Innentreppen verwendet.

Kosten-Realität: Eine fachgerecht geplante Scherentreppe aus Stahl mit Natursteinstufen kostet zwischen 15.000 und 50.000+ Euro und erfordert immer eine statische Einzelberechnung.

Scherentreppen

01Was ist eine Scherentreppe? Definition & Technische Grundlagen

Im Gegensatz zu Standardtreppen mit durchgehenden Wangen basiert die Scherentreppe auf einem sich kreuzenden Tragwerk. Die Lasten werden nicht linear, sondern über präzise berechnete Knotenpunkte in den sich überkreuzenden Trägern abgetragen.

  • BauphysikDas Tragwerk funktioniert ähnlich einem Fachwerk und erfordert exakte statische Berechnungen. Bei falscher Dimensionierung kann es zu störenden Schwingungen kommen.
  • Primäre Einsatzgebiete
    • Repräsentative Außentreppen an öffentlichen Gebäuden.
    • Garten- und Terrassentreppen im privaten Hochwertbereich.
    • Freitragende Design-Innentreppen in modernen Objekten.
Scheren-Prinzip

02Normen, Vorschriften & Genehmigung

Für Scherentreppen gelten die allgemeinen Treppennormen, wobei der Fokus auf der statischen Sicherheit liegt.

RegelwerkBetrifftKonkrete Anforderung
DIN 18065GrundmaßeMuss eingehalten werden (Steigung, Auftritt, Laufbreite).
DIN EN 1990-1993TragwerksplanungZwingend erforderlich: Einzelstatik durch zugelassenen Statiker.
BauaufsichtZulassungMeist erforderlich: Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) oder Zustimmung im Einzelfall (ZiE).
Wichtig: Ohne statischen Nachweis und bauamtliche Genehmigung darf eine Scherentreppe in Deutschland nicht gebaut werden.

03Aufbau & Materialien: Die Komponenten im Detail

Tragwerk (Scherenträger)

Funktion

Sich kreuzende Träger leiten Lasten ab.

Materialien

Feuerverzinkter Stahl (S355JR), Edelstahl (1.4404)

Hinweis

Knotenpunkte müssen präzise geschweißt oder verschraubt sein.

Stufen

Funktion

Begehbare Fläche.

Materialien

Naturstein (Granit, Basalt), Betonwerkstein

Hinweis

Außenbereich: Rutschhemmung R9-R13 ist Pflicht.

Geländer

Funktion

Absturzsicherung.

Materialien

Stahl, Edelstahl

Hinweis

Muss unabhängig vom Scheren-Tragwerk standsicher befestigt werden.

04Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Ästhetik & Design: Erzeugt einen einzigartigen, architektonischen Blickfang.
  • Raumwirkung: Wirkt durch die offene Bauweise leicht und transparent.
  • Individualität: Ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen für komplexe Geometrien.

Nachteile

  • Kosten: Deutlich teurer (ab 15.000 €) als konventionelle Treppen.
  • Planungsaufwand: Zwingend erforderliche Einzelstatik und Genehmigung.
  • Schwingungsneigung: Kann bei Fehlplanung auftreten.

05Kosten & Preisfaktoren

Kostenrahmen (Orientierung)

  • Maßgefertigte Außentreppe (Stahl/Granit): 20.000 – 40.000 €
  • Startpreis (einfacher): Ab 15.000 €

Preistreiber

  • Material: Edelstahl > feuerverzinkter Stahl. Granit > Betonwerkstein.
  • Größe: Höhe und Spannweite.
  • Planung: Honorar für Statiker und Genehmigungsverfahren.
  • Montage: Erfordert spezialisierte Fachfirmen.

06Planung, Montage & typische Fehler

Optimale Planungsabfolge

  1. Entwurf mit Architekt/Treppenplaner.
  2. Statische Berechnung durch Statiker.
  3. Einholung der bauaufsichtlichen Zulassung (ZiE/abZ).
  4. Feinplanung & Produktion.
  5. Montage durch Fachunternehmen.

Fehlerquellen

  • Statik als Nachgedanke (muss am Anfang stehen!).
  • Ungeeignete Materialkombination (z.B. Holz außen).
  • Vernachlässigte Detailpunkte (Auflager, Geländer).
  • Fehlende Schwingungsberechnung.

07Pflege, Wartung & Lebensdauer

Stahl (verzinkt)

Lebensdauer 30+ Jahre. Jährliche Sichtkontrolle auf Beschädigungen der Beschichtung. Umgehend ausbessern.

Edelstahl

Lebensdauer 50+ Jahre. Regelmäßige Reinigung. Passivierungsschicht nicht zerstören.

Naturstein

Nahezu unbegrenzt haltbar. Reinigung, bei kalkhaltigen Steinen ggf. Imprägnierung.

08FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Scherentreppen

Was ist der Unterschied zwischen einer Scherentreppe und einer Wangentreppe?

Während die Wangentreppe auf zwei durchgehenden Seitenträgern basiert, nutzt die Scherentreppe ein System aus sich kreuzenden Einzelträgern (Scherenprinzip) unter den Stufen. Dies wirkt optisch technischer und filigraner, ist aber statisch komplexer.

Braucht man für eine Scherentreppe eine Baugenehmigung?

Ja, fast immer. Da Scherentreppen oft Einzelanfertigungen ohne allgemeine bauaufsichtliche Zulassung sind, ist in der Regel eine 'Zustimmung im Einzelfall' (ZiE) erforderlich, die auf einer individuellen Statik basiert.

Ist eine Scherentreppe für den Innenbereich geeignet?

Ja, sie ist ein beliebtes Designelement für moderne Lofts und Foyers. Aufgrund der offenen Konstruktion muss jedoch besonders auf den Schwingungsschutz geachtet werden, um Trittschall zu vermeiden.

Wackeln alle Scherentreppen?

Nein. Eine professionell geplante und montierte Scherentreppe darf nach DIN-Normen für Gebrauchstauglichkeit nicht spürbar wackeln. Schwingungen deuten auf eine unterdimensionierte Statik hin.

Kann man eine Scherentreppe aus Holz bauen?

Technisch ist das mit Brettschichtholz möglich, aber sehr anspruchsvoll und selten. Standard ist Stahl oder Edelstahl, da diese Materialien die hohen Zug- und Druckkräfte in den Knotenpunkten besser aufnehmen.

Wie wird das Geländer an einer Scherentreppe befestigt?

Das Geländer wird meist unabhängig vom Scheren-Tragwerk direkt an den Stufen oder mit eigenen Pfosten montiert, um die filigrane Optik der Schere nicht zu stören.

Ist eine Scherentreppe barrierefrei?

Nein, nicht per se. Die offene Bauweise kann für Menschen mit Sehbehinderung problematisch sein. Ein nachträglicher Einbau von Treppenliften ist oft schwierig, da die Statik für die zusätzliche Last geprüft werden muss.

Fazit

Exklusivität mit hohem Planungsaufwand

Eine Scherentreppe ist die richtige Wahl für Bauherren und Architekten, für die einzigartiges Design und architektonische Aussagekraft im Vordergrund stehen. Sie erfordert jedoch eine hohe Investitionsbereitschaft und einen professionellen Planungsprozess inklusive Einzelstatik. Für Standardvorhaben mit begrenztem Budget sind konventionelle Konstruktionen die wirtschaftlichere Alternative.

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