Stufen-Rutschhemmung

Zur Treppensicherheit dienen nicht nur die Geländer oder eine gute Ausleuchtung sondern auch das richtige Schrittmaß der Stufe und die Rutschsicherheit der Stufe.

Allgemein sollen Treppenstufen dieselbe Rutschhemmung aufweisen wie angrenzende Bereiche. Bei der Treppe selbst sollen auch die Auftrittsflächen und Stufenkanten dieselbe Rutschhemmung aufweisen, sofern möglich.

Im privaten Bereich gelten keine speziellen Anforderungen an die Oberfläche von Treppenstufen und deren Rutschhemmung. Trotzdem sind natürlich rutschhemmende Oberflächen von Treppen anzuraten, denn gerade weil man im eigenen Haus die Treppen kennt, nutzt man sie unbewusst bzw. ohne große Aufmerksamkeit, oft auch mit Socken oder Barfuß, sodass ein guter Grip nicht gegeben ist. Gerade dann liefert eine rutschhemmende Oberfläche zusätzliche Sicherheit.

Rutschhemmungsklassen R9, R10, R11, R12, R13 nach DIN 51130

Die Rutschhemmungsklassen der DIN Norm 51130 sind eine Möglichkeit, die Rutschgefahr zu bewerten und den Grad der Rutschhemmung anzuzeigen. Um eine sichere Unfallverhütung betreiben zu können, muss der untere Wert die wenigsten Ansprüche, der oberste Wert den höchsten Ansprüchen genügen.

Eine schiefe Ebene wird in einem Test verwendet, um für unterschiedliche Neigungswinkel die Trittsicherheit zu messen. Je größer der Neigungswinkel ist, desto rauer bzw. griffiger muss die Oberfläche sein. Um das herauszufinden, muss eine Testperson mit einem speziellen Testschuh mit profilierter Sohle und Gleitmittel auf einer Oberfläche stehen und gehen. Als Ergebnis werden die Neigungswinkel bestimmt als Grundlage für die R-Gruppen:

  • R9 – die unterste Rutschhemmungsklasse mit geringstem Haftreibwert (3-10 Grad Neigungswinkel). Diese Klasse ist die Mindestanforderung an die Rutschfestigkeit für öffentliche Räume.
  • R10zweitunterste Rutschhemmungsklasse mit normalem Haftreibwert (10-19 Grad normaler Haftreibwert). Diese Klasse findet man bei normal belasteten Wohn- und Arbeitsbereichen, auch in Bad, Toilette, Waschräumen und auf Terrassen. R10 empfehlt sich für allgemeine Eingangsbereiche sowohl im Außen- und auch Innenbereich, für Keller, Parkbereiche für Garagen und allgemein für alle barrierefreie Bereiche.
  • R11 mittlere Rutschhemmungsklasse mit erhöhtem Haftreibwert (19-27 Grad Neigungswinkel). Diese Klasse findet sich in Eingangsbereichen außen, Treppen, Barfußbereichen (z.B. in Schwimmbädern) und Wasser- bzw. Reinigungsbereichen.
  • R12 zweithöchste Rutschhemmungsklasse mit großem Haftwert (27-35 Grad Neigungswinkel). Diese Klasse findet sich in Großküchen, in Räumen mit fetthaltigen Lebensmitteln, Fahrzeugstellplätzen von Feuerwehrhäusern oder Krankenhausküchen.
  • R13 – die höchste Rutschhemmungsklasse mit sehr großem Haftwert (>35 Grad Neigungswinkel). Diese Klasse ist anzufinden in Räumen der Lebensmittelverarbeitung, Räumen mit großen Fettmengen wie zum Beispiel Schlachthöfen.

 Allgemein lässt sich sagen, dass je größer der Neigungswinkel ist, desto rauer die Oberfläche sein muss.

GesamtmittelwertDarstellungBewertungsgruppeBeispiele
6° – 10°R9Alle öffentlichen Räume und Gewerbeflächen
11° – 19°R10Öffentliche Toiletten, Terrassen, normal belastete Wohn. und Arbeitsbereiche
20° – 27°R11Eingangsbereiche außen, Treppen, Barfußbereiche
28° – 35°R12Großküchen, Krankenhausküchen
> 36°R13Räume der Lebensmittelverarbeitung

Rutschsicherheit je nach Bodenbelag und Material

Bodenbeläge ihrer Art nach werden ebenfalls anhand der Rutschhemmungsklassen eingestuft. Mit entsprechender Nachbearbeitung kann die Rutschsicherheit erhöht werden:

  • Bei Steinbelägen kann die Oberfläche angerauht werden
  • Bei keramischen Belägen kann die Oberfläche strukturiert werden
  • Bei Holzbelägen können mit Treppenstufen-Matten für besseren Halt sorgen
  • Elastische Beläge können mit Gumminoppen eine höhere Trittsicherheit gewährleisten

Orientierung an den Anforderungen im gewerblichen Bereich

Im gewerblichen Bereich gilt für Innentreppen die Oberflächen-Rutschhemmungsklasse R9. Diese rutschhemmende Anforderung gilt es umzusetzen, um ein Ausrutschen auf der Treppe zu verhindern. Die Rutschhemmung R9 gilt insbesondere für Innentreppen im Eingangsbereich, wo Feuchtigkeit von Außen hereingetragen werden kann.

Stufenkanten

Abgerundete Stufenkanten empfehlenswert

Abgerundete Stufenkanten mit einem Radius von 7mm. Bild: Supermop / Shutterstock.com

Nach einer Studie der deutschen Berufsgenossenschaft BGHW, gibt es statistisch Unfallrisiko-Unterschiede je nach Abrundungsradius der Stufenkanten einer Treppe. Man tut also gut daran, bei notwendigen Stufenkannten einen Abrundungsradius einzubauen.

In Statistiken hat sich erwiesen, dass weniger als 2 mm und mehr als 10 mm im Radius der Stufenkanten die Unfallgefahr erhöhen. Deshalb sollten sie den Radius der Stufenkante stets im sicheren Bereich zwischen diesen Werten einordnen.

Zusätzlich angebrachte Stufenkanten

Werden rutschhemmende Stufenkanten verwendet, sollten sie nicht überstehen sondern bündig mit der Treppenhöhe sein. Ein Stolpern kann somit effektiv vermieden werden. Ebenso sollte die Breite der Stufenkantensysteme in Abhängigkeit von der Treppenneigung gewählt werden. Bei höheren Steigungen sollten die Kantensysteme schmaler sein als bei flacheren Treppensteigungen.

In einer Studie der deutschen Berufsgenossenschaft BGHW kam heraus, dass zusätzlich angebrachte Stufenkanten die Treppensicherheit statistisch grundsätzlich vermindern, egal ob Winkelkanten, Trittleisten oder eine zusätzliche Beschichtung angebracht wird. Umso wichtiger ist es, die Prinzipien einer trittsicheren Oberfläche der Stufen zu gewährleisten und, falls notwendig, mit nicht überstehenden, bündigen Stufenkanten die Chancen eines Unfalls zu minimieren.

Stufengleitschutzprofile erhöhen die Sicherheit

Gleitschutzprofile auf einer im Außenbereich angelegten Treppe. Kein idealer Abschluss mit der Oberfläche aber trotzdem höhere Sicherheit durch Gummiprofile. Bild: Radovan1 / Shutterstock.com

Anti-Rutsch-Profile (Stufengleitschutzprofile) an der Stufenkante verringern die Wahrscheinlichkeit eines Abrutschens an den Stufenkanten. Stufengleitschutzprofile gibt es in verschiedenen Ausführungen:

  • Klebestreifen mit rauer Oberfläche oder
  • Kunststoff- oder Gummiprofile

Alle Stufengleitschutzprofile müssen möglichst flach und bündig mit der Stufenoberfläche abschließen, da sonst Stolpergefahr besteht. Wenn die Kanten der Stufen eine andere Farbe haben, fällt das auch auf. Stufengleitschutzprofile sollten höchstens 2mm vorstehen oder stufenbündig eingelassen sein.


Weitere Tipps zur Erhöhung der Rutschsicherheit einer Treppe

  • Belagswechsel erhöht die Aufmerksamkeit: Die meisten Menschen nutzen Treppen instinktiv, was bedeutet, dass sie jedem Schritt nicht viel Aufmerksamkeit schenken. Der Wechsel des Bodenbelags kann helfen, wacher zu werden und kurzfristig konzentrierter beim Treppensteigen zu sein.
  • Beleuchtete Stufen: Unfallschwerpunkte sind am Anfang und am Ende von Treppen. Helle Treppenabsätze erhöhen die Treppensicherheit. Auch eine optimale Beleuchtung der Treppe kann dies verhindern.
  • Podeste – verhindern hektisches Treppensteigen: Podeste sind eine Bautechnik, die den Komfort beim Gebrauch von längeren Treppen erhöhen sollen. So können die Treppennutzer zwischen den einzelnen Läufen kurz pausieren und damit die Hektik und den Kraftaufwand beim Treppensteigen reduzieren, was letztlich das Unfallrisiko verringern soll. Podeste dienen auch dazu, die Laufrichtung bei Treppen zu ändern, ohne dass Stufen selbst verzogen werden müssen.